Wir Schauspieler*innen sind in all unseren Einsatzgebieten – Bühne, Film-Fernsehen, Synchron – eine große Berufsgruppen, aber nicht die einzige. Darum sucht der BFFS grundsätzlich die Zusammenarbeit mit allen anderen Kulturgruppen. Er hat allerdings dabei in den letzten 17 Jahren sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die unser neuer Vorstand beherzigen möchte.
Viele Berufsverbände in unserer Umgebung sind wie ihre Berufsgruppen sehr klein und können sich einen professionellen Verbandsapparat und professionellen Umgang mit anderen Verbänden kaum leisten. Einerseits klammern sie sich nicht selten zu ängstlich an ihre Maximalforderungen ohne Rücksicht auf benachbarte Berufsgruppen. Andererseits neigen sie oft zu unüberlegten Adhoc-(Re-)Aktionen und zur unfreiwilligen Wankelmütigkeit. Eine Haltung oder Absprache von heute kann morgen schon obsolet sein. Das sind alles sehr ungünstige Voraussetzungen für eine verlässliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Einige Berufsverbände haben darüber hinaus auch eine grundsätzliche andere Vorstellung von Interessensvertretung als der BFFS. Sie betreiben eher eine Eliten-Politik. Sie wollen lieber einigen wenigen privilegierten Berufskolleg*innen im Elfenbeinturm dienen als denjenigen, die außerhalb dieses Turms den widrigen Verhältnissen schutzlos ausgeliefert sind.
Das kam und kommt für den BFFS nicht in Frage! Denn der BFFS ist eine Gewerkschaft und konzentriert sich auf die Verbesserung von Mindeststandards, von denen unmittelbar die Schutzlosesten, indirekt aber auch die Etablierteren unter uns profitieren. Kein Wunder, der BFFS bevorzugt die Bündnisse mit anderen Gewerkschaften. Die wenigen aber wichtigen Gewerkschaften in unserer Nähe teilen die BFFS-Haltung, auch wenn sie im Detail durchaus unterschiedliche Auffassungen vertreten. Sie sind größer, professioneller, verlässlicher als die vielen kleinen Berufsverbände und souverän genug, so kompromissfähig zu sein, um miteinander und mit unserem BFFS langfristig zusammenarbeiten zu können. Zu diesen Gewerkschaften gehören …
- die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Sie ist mit seinen 1,8 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Gewerkschaft der Welt und versteht sich als Branchengewerkschaft, die nicht einzelne Berufsgruppen, sondern vielmehr die Interessen aller Arbeitnehmer*innen ganzer Branchen vertritt. Sie verhandelt u. a. den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, der bis in den Bühnenbereich hereinreicht, zusammen mit unserem BFFS die einzelnen Tarifverträge für auf Produktionsdauer beschäftigte Filmschaffende sowie Gemeinsame Vergütungsregeln z. B. mit Netflix und ebenfalls mit unserem BFFS Vereinbarungen mit Produzent*innen und Verleihern im Synchronbereich.
- die Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger GDBA. Sie ist eine der ältesten Gewerkschaft von 1871 und versteht sich ebenfalls als Branchengewerkschaft, die unabhängig vom Gewerk alle Angehörigen der Bühnenlandschaft vertritt. Sie betreut zusammen mit ihrem Gegenspieler, dem Deutschen Bühnenverein, seit 1924 den Normalvertrag (NV) Solo, der 2003 mit anderen Tarifwerken zum Normalvertrag (NV) Bühne zusammengefasst wurde.
- die Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles VdO. Sie vertritt im Bühnenbereich diese beiden Berufsgruppen und sitzt seit Entstehen des NV Bühne mit der GDBA auf der gleichen Verhandlungsseite – gefolgt von unserem BFFS seit 2022.
Ideal für den Meinungs- und Informationsaustausch, sowie für konsensuale Lobbyarbeit sind auch organisationsübergreifende Plattformen wie der Deutsche Medienrat, der eine der Sektionen im Deutschen Kulturrat darstellt, die Initiative Urheberrecht, die sich um die urheberrechtspolitischen Anliegen ihrer Mitgliedsorganisationen kümmert und die International Federation of Actors (FIA), die ein Forum aller Schauspielverbände weltweit ist.
Der neue Vorstand wird darauf achten, all diese Bündnisse und Kooperationen zu pflegen und auszubauen.
Weil die Pensionskasse Rundfunk vor allem für die Altersvorsorge unserer Kolleg*innen, die an der Herstellung von Projekten für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beteiligt sind, ein wesentliches Standbein darstellt, achtet der BFFS seit Jahren darauf, dass genügend BFFS-Mitglieder in den Gremien dieser Altersvorsorge-Einrichtung vertreten sind, um eine möglichst enge Zusammenarbeit mit ihr zur ermöglichen.
Das gleiche gilt für die Zusammenarbeit des BFFS mit der für uns Schauspieler*innen zuständigen Verwertungsgesellschaft, der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL). Hier ist der BFFS nicht nur mit zwei Delegierten vertreten, er ist seit 2018 auch Mitgesellschafter geworden, damit die Stimme der Schauspieler*innen im Kreis der Berechtigten, die überwiegend aus dem Musikbereich stammen, nicht untergeht.