So wegweisend das deutsche Sozialversicherungssystem von Bismarck geschaffen wurde, so sehr hinkt die Weiterentwicklung dieses Systems der heutigen Arbeitswelt hinterher. Auch und gerade die Berufswirklichkeit von uns Schauspieler*innen wird im System viel zu wenig berücksichtigt. So sind wir mit einem dschungelartigen Geflecht von nicht kompatiblen Sozialversicherungsregelungen konfrontiert, die uns mehr Sozialbeiträge abverlangen, als wir von diesen Regelungen sozial geschützt werden. Und gerade wir mit unseren unsicheren Existenzverhältnissen sind auf eine faire gesetzliche Absicherung dringend angewiesen.
Der BFFS hat in den vergangenen Jahren schon zu einigen Verbesserungen beitragen können, z. B. mit der Einführung der verkürzten Anwartschaftszeit für unseren Arbeitslosengeld-1-Anspruch. Aber die Politik bewegt sich nur in homöopathischen Dosen. Deutlich mehr Fortschritte bei unserer sozialen Absicherung zu erzielen, bleibt die zentrale politische Aufgabe, die auch der neue Vorstand mit Beharrlichkeit verfolgen wird. Ihm ist bewusst: Vor allem auf diesem politischen Gebiet braucht er einen sehr langen Atem.